Lauf-Geh-Strategie vs. kontinuierliches Laufen auf der Langstrecke
Eine strukturierte Lauf-Geh-Strategie erzielt beim Marathon vergleichbare Zielzeiten und Durchschnittsherzfrequenzen wie kontinuierliches Laufen, verringert jedoch subjektive Muskelschmerzen und späten Tempoverlust signifikant. Die biochemischen Marker für Muskelschäden oder kardiale Belastung sinken dadurch jedoch nicht.
Zuletzt aktualisiert: 2026-11-01
Strukturierte Lauf-Geh-Intervalle ermöglichen Ausdauerläufern Marathon-Zielzeiten, die mit denen des kontinuierlichen Laufens vergleichbar sind, während das subjektive Schmerzempfinden in der Muskulatur und die Ermüdung im späten Rennverlauf signifikant reduziert werden [2, 3]. Allerdings verringert diese Strategie die zugrunde liegenden biochemischen Marker für Muskelschäden oder kardiale Belastung nicht [2]. Für Athleten, die mit Pacing-Problemen, starkem Cardiac Drift oder wiederkehrenden Krämpfen kämpfen, bieten strukturierte Gehpausen eine effektive taktische Alternative zum kontinuierlichen Laufen [2, 3].
Pacing-Stabilität und Zielzeiten
Laufanfänger und Hobbyläufer haben über die Distanz von 42,195 Kilometern häufig Probleme mit einem gleichmäßigen Pacing. Groß angelegte Analysen von Marathonfeldern zeigen, dass ein gleichmäßiges Tempo eng mit besseren Endzeiten verknüpft ist; dennoch erleben viele Breitensportler einen positiven Split und werden in der zweiten Rennhälfte deutlich langsamer [3, 17]. Eine hohe Pacing-Variabilität (ein Variationskoeffizient der Pace von über 15 %) ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 85,4 % für den berüchtigten „Mann mit dem Hammer“ („hitting the wall“) assoziiert, definiert als ein Tempoabfall von mehr als 20 % im letzten Rennabschnitt [17].
Strukturierte Lauf-Geh-Protokolle (häufig nach dem Olympioniken Jeff Galloway als „Jeffing“ bezeichnet) führen von Beginn des Rennens an geplante Gehpausen ein. Dabei kommen Verhältnisse von 1:4 (z. B. 30 Sekunden Laufen zu 2 Minuten Gehen) bis 1:1 oder feste zeitbasierte Intervalle pro Kilometer bzw. Meile zum Einsatz [1, 20].
In einer randomisierten Studie, die einen strukturierten Lauf-Geh-Ansatz mit kontinuierlichem Laufen bei 42 Marathon-Neulingen verglich, zeigten die Zielzeiten zwischen den Gruppen keinen statistisch signifikanten Unterschied (04:14:25 ± 00:19:51 für die Lauf-Geh-Gruppe vs. 04:07:40 ± 00:27:15 für die kontinuierliche Gruppe, p = 0,377) [2]. Die Läufer mit Lauf-Geh-Intervallen hielten ein gleichmäßigeres Tempo über die gesamte Strecke aufrecht und vermieden die positiven Splits von 10 bis 20 Minuten, die bei kontinuierlich laufenden Freizeitsportlern üblich sind [3]. Die Methode kann auch Spitzenleistungen unterstützen: So gewann der Ultraläufer Marc Burget das 100-Meilen-Rennen in Daytona mit einem Streckenrekord von 14:14:00 Stunden im Lauf-Geh-Modus und absolvierte sieben aufeinanderfolgende Sub-3-Stunden-Marathons an sieben Tagen mit 20-sekündigen Gehpausen pro Meile [1].
Cardiac Drift und kardiovaskuläre Belastung
Der kardiovaskuläre Drift (Cardiac Drift) beschreibt den kontinuierlichen Anstieg der Herzfrequenz während längerer, gleichförmiger Belastung [10, 11]. Ursachen hierfür sind der schweißbedingte Verlust von Blutplasmavolumen, ein verringertes Schlagvolumen und die Umverteilung des Blutflusses in die Haut zur Thermoregulation [10]. In warmen Umgebungen (wie etwa 35 °C) kann die Herzfrequenz über 30 bis 45 Minuten konstanter Belastung um 11 % bis 19 % ansteigen, was die relative aerobe Beanspruchung erhöht, selbst wenn die absolute Geschwindigkeit konstant bleibt [11]. Bei Marathonläufern korreliert ein erhöhter Cardiac-Cost-Index (Herzfrequenz geteilt durch Laufgeschwindigkeit) signifikant mit dem Tempoverlust im späten Rennverlauf [15].
Intermittierende Laufprofile verändern die kardiovaskuläre Beanspruchung. In Laborvergleichen verbringen Athleten bei Intervalllaufmustern wesentlich mehr Zeit beim maximalen Schlagvolumen als beim kontinuierlichen Laufen [9]. Ein strukturiertes Lauf-Geh-Pacing schwächt den Anstieg des Cardiac Drifts über die Dauer eines Marathons ab [3]. Dennoch bleibt die durchschnittliche Gesamtherzfrequenz über das gesamte Rennen zwischen Lauf-Geh- und Dauerläufern ähnlich (158 ± 7 min⁻¹ vs. 154 ± 6 min⁻¹, p = 0,146) [2].
Subjektive Ermüdung vs. Biomarker für Muskelschäden
Beim Langstreckenlauf erfährt die Skelettmuskulatur trainingsinduzierte Muskelschäden (Exercise-Induced Muscle Damage, EIMD), die vor allem durch wiederholte mechanische Belastungen geringer Intensität in Kombination mit metabolischem Stress entstehen [7]. Exzentrische Kontraktionen können Sarkomere überdehnen, Membranen des sarkoplasmatischen Retikulums schädigen und die Freisetzung intrazellulärer Proteine in den Blutkreislauf auslösen, darunter Kreatinkinase (CK), Myoglobin (Mb) und Troponin-Fragmente [7].
Geplante Gehintervalle verändern das subjektive Empfinden dieser Belastung erheblich. Marathonläufer mit einer Lauf-Geh-Strategie berichteten über signifikant geringere Muskelschmerzen und Erschöpfung nach dem Rennen als Läufer der kontinuierlichen Gruppe (p = 0,006), und zwei Läufer in der Dauergruppe mussten das Rennen aufgrund von Krämpfen aufgeben [2].
Objektive Biomarker für internen Stress zeichnen jedoch ein anderes Bild:
- Biomarker-Anstieg: Sowohl die Lauf-Geh-Gruppe als auch die kontinuierlich laufende Gruppe weisen nach dem Rennen identische Spitzenwerte bei B-Typ natriuretischem Peptid (BNP), Kreatinkinase-MB (CK-MB) und Myoglobin auf (p < 0,001), die sich alle innerhalb von vier Tagen wieder auf das Ausgangsniveau normalisieren [2].
- Schwellenabhängigkeit: Die Erhöhungen von BNP (r = −0,363) und Myoglobin (r = −0,456) nach dem Rennen korrelieren invers mit der individuellen Geschwindigkeit an der anaeroben Schwelle und nicht mit der gewählten Intervallstrategie [2].
- Kardiales Troponin: Klinisch erhöhtes kardiales Troponin I (cTnI) tritt in beiden Gruppen gleichermaßen selten auf [2].
Auch wenn geplante Gehpausen das subjektive muskuloskelettale Belastungsgefühl lindern und das akute Krampfrisiko verringern, schützen sie die Muskelfasern oder das Herzgewebe somit nicht vor der gesamten metabolischen und mechanischen Beanspruchung der Marathondistanz [2, 7].
Praktische Anwendung und Grenzen
Die Umsetzung von Lauf-Geh-Strategien erfordert eine Planung der Lauf-zu-Geh-Verhältnisse basierend auf dem aktuellen Fitnesslevel und den äußeren Bedingungen:
- Proaktive Durchführung: Gehpausen müssen bereits auf den ersten Kilometern beginnen, bevor neuromuskuläre Ermüdung oder eine spürbare Glykogendepletion einsetzt, anstatt erst reaktiv genutzt zu werden, wenn das Tempo bereits eingebrochen ist [2, 3, 4].
- Anpassung an Umwelt und Terrain: Da sich Cardiac Drift und metabolischer Stress bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und hügeligem Gelände verstärken, sollten Läufer ihr Zieltempo anhand des subjektiven Belastungsempfindens (Rate of Perceived Exertion, RPE) kalibrieren [11, 18, 23].
- Progression: Anfänger beginnen typischerweise mit konservativen Belastungs-Erholungs-Verhältnissen (wie 1:4) und steigern sich mit zunehmender Form schrittweise zu 1:1 oder kurzen, getimten Gehpausen pro Kilometer bzw. Meile [1, 20].
Die wesentliche Einschränkung der Lauf-Geh-Methode liegt darin, dass die Laufabschnitte in einem etwas höheren Tempo als die angestrebte Durchschnittsgeschwindigkeit absolviert werden müssen, um die Zeit des Gehens auszugleichen [2]. Läufer, die diese Laufintervalle zu schnell ansetzen, riskieren eine beschleunigte Glykogenentleerung sowohl in Typ-I- als auch in Typ-II-Muskelfasern [4].
Quellen
Webquellen
- Run Walk Method: How Strategic Walking Prevents Injury & ...
- Does a run/walk strategy decrease cardiac stress during ...
- Does Run-Walk Make You Slower? A Marathon Study Says No
- Regulation of Muscle Glycogen Metabolism during Exercise
- Neuromuscular recruitment runs: A missing link in balancing ...
- The Science of Fatigue: How Endurance Performance Is ...
- Pathophysiology of Exercise-Induced Muscle Damage and Its ...
- A pattern-based approach to the interpretation of skeletal ...
- Running Tips: Cardiac Drift in Runners
- Cardiac Drift: What It Is + How to Manage It
- Cardiac Drift: Why Your Heart Rate Climbs at the Same Pace
- Moderate Recovery Unnecessary to Sustain High Stroke ...
- HIIT vs. Continuous Cardiovascular Exercise
- Aerobic Endurance Training Strategies
- Pacing Strategy Affects the Sub-Elite Marathoner's Cardiac ...
- How to reduce cardiac drift in running?
- Pacing strategy patterns and performance outcomes in ... - PMC
- Running by Pace vs Rate of Perceived Exertion (RPE)
- Variability of pacing in marathon distance running
- How to Do the Run Walk Method
- The Case for Walk/Runs vs. Continuous Running
- Why is it hard to maintain a consistent RPE 7 pace while ...
- RPE Scale for Running: How to Use Rate of Perceived ...