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Training

Liegestütz-Varianten: Schulterbelastung vs. Muskelaktivierung

Das Anpassen von Handabstand, Körperwinkel und Bewegungstempo verändert das Verhältnis zwischen der Rekrutierung der Zielmuskulatur und der vorderen Schulterbelastung. Enge Handpositionen und instabile Untergründe steigern die Aktivierung von Brust und Trizeps, während übermäßig breite Stützweiten und tiefe Protraktion Scherkräfte auf die vordere Kapsel erhöhen und den Subakromialraum verengen können.

Zuletzt aktualisiert: 2026-09-25

Die Anpassung von Körperwinkel, Handposition und Bewegungstempo bei Liegestützen verändert die Muskelrekrutierung von Pectoralis major und Triceps brachii erheblich und verschiebt zugleich die mechanischen Anforderungen im Glenohumeralgelenk. Während enge Handpositionen und eine erhöhte Fußposition die Aktivierung der Zielmuskulatur steigern, können breite Stützweiten und eine übermäßige Schulterblattprotraktion die Scherkräfte auf die vordere Gelenkkapsel erhöhen und den Subakromialraum verengen [1, 10, 11, 14].

Körperwinkel und Verteilung der externen Last

Der Winkel des Körpers im Verhältnis zum Boden bestimmt, welcher Anteil des Körpergewichts auf den oberen Extremitäten lastet. Bei einem regulären horizontalen Liegestütz zeigen Analysen auf Kraftmessplatten, dass der Oberkörper bei voller Ellenbogenstreckung etwa 64 % des Gesamtkörpergewichts trägt; in der untersten Position bei 90 Grad Ellenbogenbeugung steigt dieser Wert auf rund 75 % des Körpergewichts an [1]. Werden die Hände auf einer Schräge von 45 Grad erhöht aufgestellt (Incline), sinkt die Bodenreaktionskraft auf etwa 40 % des Körpergewichts, was die Gesamtgelenkbelastung reduziert [1].

Umgekehrt führt das Hochlagern der Füße in eine 45-Grad-Neigung (Decline) zu einem Anstieg der Belastung auf den vorderen Deltamuskel um etwa 30 % im Vergleich zur horizontalen Variante [1]. Fortgeschrittene unilaterale Varianten und instabile Untergründe verändern die Lastverteilung weiter: Bogenschützen-Liegestütze (Archer Push-Ups) verlagern bis zu 80 % des Gesamtkörpergewichts auf den arbeitenden Arm, während Liegestütze an Turnringen die elektromyografische (EMG) Aktivierung des Pectoralis major um bis zu 40 % steigern [1].

Handabstand und Belastung der vorderen Kapsel

Die Veränderung des horizontalen Handabstands beeinflusst sowohl das muskuläre Rekrutierungsmuster als auch die mechanische Belastung der vorderen Schulter:

  • Enger Griff und Diamant-Liegestütz: Werden die Hände eng beieinander unter der Mitte des Brustbeins platziert (sodass sich Daumen und Zeigefinger berühren), erhöht dies die EMG-Aktivität sowohl im Triceps brachii (um 15 % bis 20 %) als auch im Pectoralis major im Vergleich zu schulterbreiten oder weiteren Griffen signifikant [1, 10, 11]. Diese enge Handstellung steigert zudem die Aktivierung von Pectoralis minor und Infraspinatus [11].
  • Breite Griffweite: Eine Handposition von 1,5-facher Schulterbreite (Biacromialabstand) oder mehr erhöht den Anspruch an die horizontale Adduktion und die Dehnung des Pectoralis major, während auch die Aktivierung des Serratus anterior ansteigt [1, 11]. Allerdings vergrößert diese weite Stellung die Scherkräfte auf die vordere Kapsel des Glenohumeralgelenks [1].

Das Glenohumeralgelenk ist in hohem Maße auf statische und dynamische Stabilisatoren angewiesen, um diese Kräfte zu kontrollieren [11, 18]. Das inferiore glenohumerale Band fungiert als primärer vorderer Stabilisator, wenn die Schulter in 90 Grad Abduktion und Außenrotation positioniert ist, während das mittlere glenohumerale Band der anterioren Translation bei geringeren Abduktionswinkeln unter Außenrotation entgegenwirkt [18].

Handposition in der Sagittalebene und Schulterblattdynamik

Ein Versetzen der Handposition nach oben, unten, vorne oder hinten verändert die Muskelaktivierung im Rumpf und im Schultergürtel:

  • Vor- und rückverlagerte Handpositionen: Eine Platzierung der Hände 20 cm vor oder 20 cm hinter den Akromionfortsätzen erzeugt die höchste EMG-Aktivierung in der Bauchmuskulatur (Rectus abdominis, Obliquus externus) und der Rückenmuskulatur (Erector spinae) [10]. Diese erhöhte Rumpfrekrutierung geht mit einer gesteigerten Kompressionsbelastung der Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenke einher [10, 11].
  • Kraniale vs. kaudale Positionierung: Werden die Hände um 30 % der Armlänge weiter kranial (kopfwärts) als in der Standardposition aufgesetzt, verringert dies die Rekrutierung des Pectoralis major, während die Aktivierung von Triceps brachii und Serratus anterior zunimmt [3]. Eine kaudalere (fußwärts gerichtete) Platzierung verschiebt die Aktivierung in Richtung Infraspinatus, Pectoralis major, vorderer Deltamuskel und unterer Trapezius [3]. Liegestütze auf den Faustknöcheln anstelle der flachen Handflächen führen zudem zu einer höheren mittleren Aktivierung des Extensor digitorum und steigern die Spitzenaktivität in den Unterarmbeugern und -streckern [3].

Das Hinzufügen einer Schulterblattprotraktion am obersten Bewegungspunkt – bekannt als Liegestütz Plus (Push-Up Plus) – ruft eine hohe Aktivierung des Serratus anterior bei minimaler Beteiligung des oberen Trapezius hervor, was sich durch erhöhte Füße noch weiter verstärken lässt [11]. Kinematisch führt eine vollständige Schulterblattprotraktion jedoch zu einer Abwärtsrotation und Innenrotation der Scapula sowie zu einer anterioren Humerustranslation [14]. Diese Bewegung verringert den akromiohumeralen Abstand und engt den Raum unterhalb des Ligamentum coracoacromiale ein, was das Risiko für ein Impingement der Rotatorenmanschettensehnen erhöhen kann [11, 14].

Bewegungstempo und dynamische Gelenkstabilität

Bei Wiederholungen mit kontrolliertem Bewegungstempo (wie etwa 2,5 Sekunden pro Wiederholung) zeigt die Muskulatur der oberen Extremität ausgeprägte phasenabhängige Aktivierungsmuster [10]. Die exzentrische (absenkende) Phase erzeugt in den Muskeln der oberen Extremität durchgehend eine geringere elektrische Gesamtaktivität als die konzentrische (anhebende) Phase, während die rumpfstabilisierende Muskulatur über beide Phasen hinweg eine konstante Aktivierung aufrechterhält [10].

Während dieser dynamischen Phasen fungieren die Muskeln der Rotatorenmanschette als entscheidende dynamische Fixatoren, um den Humeruskopf in der Gelenkpfanne (Glenoid) zu zentrieren [11, 15]. Die anteriore und posteriore Muskulatur bildet koordinierte Kräftepaare: Der Deltamuskel erzeugt eine nach oben und außen gerichtete Kraft, die durch den nach innen und unten gerichteten Zug von Infraspinatus, Subscapularis und Teres minor ausgeglichen wird, um ein Höhertreten des Humeruskopfs zu verhindern [15]. In der Transversalebene bietet der Subscapularis vorderen Halt, während Infraspinatus und Teres minor die dorsale Führung sichern [15]. Ein gezieltes Schultertraining, das das Gleichgewicht der Rotatorenmanschette und die Schulterblattfunktion stärkt, bleibt zentral, um Impingement-Risiken bei Drückbewegungen des Oberkörpers zu minimieren [6].

Quellen

Webquellen

  1. Biomechanics of All Types of Push Ups: A Science-Backed Guide
  2. Shoulder electromyography activity during push-up variations ...
  3. Examining upper extremity muscle demand during selected push ...
  4. [PDF] Design and Validation of a Glenohumeral force assessment medium
  5. Stability and instability of the glenohumeral joint - Academia.edu
  6. Rehabilitation of shoulder impingement syndrome... - Ovid
  7. Activation ratios of the infraspinatus and posterior deltoid muscles...
  8. AN ELECTROMYOGRAPHIC ANALYSIS OF THE SHOULDER ...
  9. [PDF] Neuromuscular Adaptations of the Rotator Cuff and Scapular ...
  10. Selective Activation of Shoulder, Trunk, and Arm Muscles - PMC
  11. Pushups
  12. Effect of Push-up Speed on Upper Extremity Training until ...
  13. BIOMECHANICS OF THE PUSH-UP (UPPER-LIMB ...
  14. SHOULDER KINEMATICS DURING THE PUSH-UP PLUS ...
  15. Torque and Force Couples
  16. Hand position affects elbow joint load during push-up exercise
  17. Mechanical considerations for biomechanical glenohumeral joint ...
  18. Shoulder Injuries - Clinical Gate
  19. Atlas of Functional Shoulder Anatomy - Springer Nature
  20. NSCA 2014 Annual Meeting : Journal of Strength and Conditioning ...
  21. ATHLETIC TRAINING BLOG | Grand Valley Local School District

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